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Na, dann mal los und viel Spaß beim Stöbern.

Ich zeige hier eine Auswahl aus zwei Werkgruppen:

Arbeiten mit ofengeformtem Glas

und Installationen mit Scherben von Berliner Trümmerbergen.


Arbeiten mit ofengeformtem Glas

Über meine Arbeit mit ofengeformtem Glas.

Meine Arbeiten entstehen in einem Prozess der Wandlung. Zerstörtes erfährt eine Erneuerung. In diesem Sinne fühle ich mich Anselm Kiefer nahe: "Keine Erneuerung ohne Zerstörung.".

Gebrochenes oder nutzlos gewordenes Glas finde ich auf Flohmärkten, im Abfall-Container einer Glaserei oder bekomme es von Freunden geschenkt.

Das Spezielle meiner Arbeiten ist, dass ich dem Ästhetischen des Glases auch seine Störungen zur Seite stelle.
Die Dinge sind nicht eindeutig in ihrer Erscheinung, sie verhalten sich polar zueinander. Ich möchte diese Mehrdeutigkeit zum Ausdruck bringen. Ofengeformtes Glas ist dafür ideal, denn sein morphologisches Verhalten während eines Brennvorgangs ist nur bedingt berechenbar. Es kann springen, zerlaufen, trübe werden, Blasen bilden, sich verfärben und verformen, sogar dann, wenn alle Regeln eingehalten werden. Überraschungen sind vorpogammiert, der sogenannte Zufall ist mit im Spiel. 

Mitunter missachte ich die gelernten Regeln, um bewusst Störungen herbeizuführen, und wenn das nicht der Fall ist, das Glas also in seiner wunderbaren Brillanz erscheint (FLUCHT NACH VORN und PINA z.B.), übernimmt anderes Material (rostiges Eisen) die Aufgabe, von der Eindeutigkeit abzuweichen.

Anselm Kiefer sieht im Blei ein spirituelles Element. Das meinige ist das Glas.

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Geschichten und Hintergründe zu meinen Arbeiten.

Meine Werke haben fast immer einen Bezug zu Ereignissen oder zur Philosophie. Um das deutlich zu machen, hier einige Beispiele:

ICH BIN AUCH DIE ANDEREN: Viele Abformungen von Gesichtern von Freunden schichten sich und bedeuten die Erkenntnis: Eigenes Verhalten ändert sich abhängig vom Gegenüber.

MAREN steht in Verbindung mit dem Suizid der gleichnamigen Tochter einer Freundin. Sie sprach oft von einem wunderbaren blauen Licht, zu dem sie sich hingezogen fühlte.

ZUCKERGUSS entstand nach dem schwierigen Ende einer 22 Jahre langen Freundschaft. Die Belastung hatte ich lange nicht wahrhaben wollen. Eine Gesichtsabformung dieser Freundin liegt zerbrochen unter 'Zuckerguss'.

Der Name LOB DEM ÜBERFLUSS ergibt sich daraus, dass das Bronze-Teil der Überlauf eines Gusses ist. Ich hatte es auf dem Boden einer Bronze-Gießerei entdeckt und gegen ein Trinkgeld mitnehmen dürfen.

TURANGALILA hat zu tun mit der gleichnamigen Sinfonie von Olivier Messiaen, die seine ungewöhnliche Biografie zum Thema hat.

Mit der Arbeit 'o.T.' ist mir etwas gelungen, was in die Tiefe geht und für das ich noch keine Worte gefunden habe. Ich denke an Weisheit, Sanftmut, Demut und Milde. 

TSUNAMI ist ein Thema, das keine Ästhetik verträgt. Hier konnte ich besonders sinnvoll die trüben Seiten des Glases anwenden.

SCHMERZ und FATIGUE (Erschöpfung) haben ihren Grund in der geerbten rheumatoiden Arthritis, die mich nicht loslässt.

Jetzt folgt etwas ganz Anderes:

TRÜMMERBLUMEN

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Das Projekt TRÜMMERBLUMEN hat seine Wurzeln in meiner Kindheit:
Meine Mutter - geschieden, drei kleine Kinder und zweimal total ausgebombt - ein Schicksal, wie viele es nach dem zweiten Weltkrieg kannten - schlug mir eines Tages vor, ich war acht Jahre alt (siehe Bild), gemeinsam zur Ruine des Miethauses zu gehen, in dem wir vor einigen Jahren in einer stattlichen 5-Zimmerwohnung in der Steglitzer Fregestrasse gewohnt hatten. Wir kletterten also in dieser Ruine auf den Schuttbergen herum. Plötzlich bückte sich meine Mutter, hielt eine weiße Scherbe mit blauem und goldenem Streifen empor und sagte so gar nicht bitter, sondern freudig erregt: "Das ist von unserem Gäste-Service!!!"
Diese Haltung, das Nicht-klagen-über-Nichtänderbares, sondern die Kräfte nutzen für das Neue, möchte ich in meiner Arbeit würdigen. Und: Ich wandele Zerbrochenes in heitere Blumen, also Verlorenes in einen Neubeginn.

Und weil es so schön passt, noch ein Zitat von Anselm Kiefer: "Scherben sind der Beginn einer Wiedergeburt."

Viele Jahre später,

ich spazierte in einem am südlichen Rand von Berlin gelegenen kleinen hügeligen Park mit Rodelbahn. Plötzlich blitzte im Sonnenlicht das bunte Dekor einer kleinen Scherbe auf. Wo kam die her?
Ich begriff, dass ich auf einem der über 20 Trümmerberge stand.

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                                                   einige sind flach

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                                                    einige sind hoch

Was sind eigentlich Trümmerberge?

Es sind Hügel, die aus den Trümmern von Kriegsruinen des II. Weltkriegs entstanden sind. Die Berliner nennen sie MONT KLAMOTT. Es gibt in dieser Stadt mehr als zwanzig, deren größter mit einer Aufschüttung von ca. 60 m der Teufelsberg ist. Die Trümmerberge sind begrünt und als Park- und Freizeitanlagen gestaltet.

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Ist es überhaupt noch erkennbar,

dass die Berge aus Schutt bestehen? Ja, das ist es. Wer will, kann sie finden, die stillen Zeugen der Vergangenheit: Ab und zu leuchten die weißen Splitter zwischen Waldlaub und abgestorbenem Geäst auf. Regen, wühlende Wildschweine und scharrende Vögel bringen sie an die Oberfläche.

Ich habe die Scherben viele Jahre lang gesammelt.

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Hebt man sie auf, diese nur selten zu findenden kleinen Trümmerberg-Scherben, und befreit sie von der Erde, entdeckt man oft Erstaunliches: Fragmente von farbigen Blumen, Dekors, Schriften, Herstellerzeichen und manchmal auch glänzendes Gold oder Handgemaltes.

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. . . aus einstigem Haus- und Wohlstand

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manchmal sprechend

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oder in brennenden Häusern geschmolzen

Die Scherben sind sortiert in Plastikbehältern aufbewahrt.

 

Schließlich begann ich spielerisch mit ersten Versuchen. Es wollten Blumen werden...

...und dann endlich kam es zu Legungen in der Öffentlichkeit.

Die Scherben sind lose gelegt, also nicht fixiert. So ist jede Legung einmalig und 'erblüht' jedes mal neu und jedes mal anders. Es sind Wiedergeburten, Wandlungen, Erneuerungen und vertreten die Prinzipien Chance und Hoffnung.

Mit Anselm Kiefer gesagt: "Trümmer sind wie die Blüte einer Pflanze der strahlende Höhepunkt eines unentwegten Metabolismus, der Anfang einer Wiedergeburt."

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Die erste öffentliche Legung 2009 in Woserin, Mecklenburg-Vorpommern
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TRÜMMERBLÜTE, Legung 2012 im Kunstquartier Bethanien, Berlin-Kreuzberg, Durchmesser 120 cm
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2015 in der Galerie KunstRaum Ko in Berlin-Wilmersdorf

Vita

Alles geschah/geschieht in Berlin: Geburt, Ausbildung, leben und arbeiten.
1957-61 Studium der Kartografie
1970-2000 Ölbilder, Aquarelle, Collagen, Materialbilder, Radierungen, Fotografien
seit 1981 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Berlin (BBK)
1986-88 Studium an der Hochschule der Künste Berlin (HDK, jetzt UDK),
danach Kurse, Seminare, Privatunterricht
(Prof. Stabenau, Anneliese Rudolf, Tina Sackermann, Robert Schmidt-Matt, Hein van de Water)
seit 2004 Wechsel zum Dreidimensionalen: Arbeiten mit Fundstücken und unterschiedlichen Materialien, Bildhauen in Stein, konzeptuelle Arbeiten, Installationen, Arbeiten mit ofengeformtem Glas
seit 2011 Mitglied bei 'sculpture network'

Recognition Prize 2016 PALM ART Award

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Ausstellungen

2009 "verflixt und zusammengefügt", Woserin, Mecklenburg-Vorpommern (E)
2012 "Mein Blau", Kulturbrauerei, Berlin-Pankow
2012 "kunst-werk-raum", Kunstquartier Bethanien, Berlin-Kreuzberg
2012 zum "Tag des offenen Denkmals", Trümmerblumen-Legung, ehem. Abhörstation Teufelsberg Berlin
2012 "bac 1st", Löwesaal, Berlin-Moabit
2013 "Elemente-Gleichgewicht-Schwerkraft", Kunstgießerei Flierl, Berlin-Weißensee
2013 "Artgeschoss - Kunst in der City", ehem. Karstadt-Kaufhaus, Wolfenbüttel
2014 "small monuments", Schloss Hamburg-Bergedorf mit anschließenden Ausstellungen in den Galerien Mueller-Petzina, Lübeck und Mucha, Schwarzenbek
2014 "Fokus und Resonanz", Begegnung von 24 chinesischen und 5 deutschen BildhauerInnen, Berliner Freiheit, Berlin-Mitte
2014 "Internationale Glaskunstausstellung 2014", Kulturzentrum Zwiesel, Niederbayern
2015 "positionen in glas und holz", mit Joachim Noack bei ART-consult, Berlin-Kreuzberg (E)
2015 "Caputh-Kunsttour", gemeinsam mit Bildern von Oda Schielicke im Gemeindehaus der Kirche in Caputh (E)
2015 "Spuren und Erinnerung", KunstRaum Ko, Berlin Tempelhof-Schöneberg
2016 "Internationale Glaskunstausstellung 2016", Kulturzentrum Zwiesel, Niederbayern
2017 "Trevisian International Art", Madrid
demnächst: "Internationale Glaskunstausstellung 2018", Kulturzentrum Zwiesel, Niederbayern 

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Gestaltung und Verantwortung:

Sigrid Klammer

Sedanstraße 27

12167 Berlin

+4930-76 90 32 37

sigridklammer@skulptur.org

Ich freue mich auf Ihre Mitteilung.